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TRANSENS Summer School on Transdisciplinary research for nuclear waste disposal: science meets society

TRANSENS Summer School on Transdisciplinary research for nuclear waste disposal: science meets society

Unter dem Titel: "Transdisciplinary research for nuclear waste disposal: science meets society" fand die erste TRANSENS Sommerschule statt.

Einen humorvollen und ausführlichen Bericht der Sommerschule auf englisch finden Sie hier.

Warum nicht die radioaktiven Abfälle in die Sonne schießen?

Wer würde ein Endlager in der Nähe des eigenen Wohnorts akzeptieren?

Mit Fragen wie diesen beschäftigten sich 53 Teilnehmer und Dozentinnen aus 18 Ländern vom 19. bis 28.8. im Physik Zentrum Bad Honnef. Das Publikum reichte von Studierenden hin zu erfahrenen Wissenschaftlern aus Physik, Chemie, Geologie, Sozialwissenschaften uvm. Aber auch interessierte Bürgerinnen waren anwesend.

Die Organisatoren Wolfgang Schulz und Clemens Walther von der Leibniz Universität Hannover, sowie Klaus Röhling (TU Clausthal) führten zunächst in Grundlagen von Radioaktivität, Strahlenschutz, Reaktortechnik sowie Entsorgung nuklearer Abfälle ein. Letztere können mit chemischem Sondermüll verglichen werden, der viel länger giftig bleibt als radioaktive Abfälle, da er nicht zerfällt. Jedoch wird der „Atommüll“ als weit gefährlicher wahrgenommen.

Um den Teilnehmenden das nötige Rüstzeug mitzugeben für die anschließenden Unterrichtstage die sich mit dem transdisziplinären Lösungsansatz in der Entsorgungsdebatte beschäftigten.

Doch was ist eigentlich transdisziplinäre Forschung? Mehr als ein modisches Schlagwort in Projektanträgen?  Christian Pohl und Pius Krütli (ETH Zürich) klärten das: bei der multidisziplinären Forschung wird ein Problem von mehreren Disziplinen parallel bearbeitet. Interdisziplinarität beinhaltet eine starke Zusammenarbeit der Partner. Die transdisziplinäre Forschung bezieht zusätzlich nichtwissenschaftliche Gruppen, z.B. Bürgerinnen aktiv in die Forschung mit ein.  

Dies stellt besondere Herausforderungen an die gemeinsame Kommunikation. Die meisten Menschen hören nicht zu, um zu verstehen, sondern um zu antworten. Sie wollen jetzt widersprechen? Dann lesen Sie mal das hier: "Niemand braucht Strahlenschutz!", begann der Psychologe Oliver Sträter (Uni Kassel) und schaute Clemens Walther an. Dieser antwortete energisch: "Wozu ist Psychologie im Zusammenhang mit ‚Atommüll‘ gut?" Nur ein Spiel, um Fallstricke der Kommunikation aufzuzeigen. In Unternehmen aller Art führen Kommunikationsdefizite zu Misstrauen und gelten als eine der Hauptursachen für Unfälle; nachweislich bei den Abstürzen der Boeing 737MAX.

Noch schwerer: Wie gelingt Kommunikation über viele 1000 Jahre (Atomsemiotik)? In Indien symbolisiert das Hakenkreuz seit langer Zeit Wohlstand, in Deutschland hingegen die schreckliche NS-Zeit. Wer weiß welche Bedeutung unser Symbol für Radioaktivität, das Flügelrad, in 1000 Jahren haben wird?

Und wie weiter? In Schweden bewarben sich zwei Gemeinden freiwillig um das Endlager. Der Bürgermeister der "abgelehnten" Gemeinde hatte Tränen in den Augen, als er von der Entscheidung erfuhr. Der „Sieger“, Jacob Spangenberg betonte als einer von vielen beitragenden Vertretern der Zivilgesellschaft die Rolle des Vertrauens in alle beteiligten Institutionen. In beiden Gemeinden werden kerntechnische Einrichtungen seit langem sicher betrieben. Das trägt wesentlich zum Vertrauen bei. Ohne Zustimmung der Betroffenen geht es eben nicht. Auch nicht in Deutschland!